Für den offenen Dialog zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen

Service

Niedrigschwelliges Beratungsangebot 

Von Janis Kohlmann

Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB)

Die ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) ist ein niedrigschwelliges Beratungsangebot für Menschen mit Behinderung. Dieses wurde im Zuge des neuen Bundesteilhabegesetzes eingeführt.

Das Beratungsangebot
Das Ziel ist, eine möglichst an die individuelle Lebenssituation der Kundinnen und Kunden angepasste Beratung anzubieten. Es ist eine Ergänzung zu den bisherigen Beratungsangeboten von Rehabilitations- und anderen Leistungsträgern.

Die EUTB kann Menschen mit Behinderung zu Themen der gesellschaftlichen Teilhabe beraten. Dazu gehören Wohnformen, Finanzen, Arbeiten, Freizeitgestaltung und viele andere Themen. Die Beratungsgespräche können auch mehrere Termine beinhalten. In den Beratungsstellen wird unabhängige Beratung garantiert.
Als Mensch mit Behinderung ist man oft auf Unterstützung angewiesen. Denn bis man zu seinem Recht kommt, dauert es oft lange.

Hintergrund
Die UN-Behindertenrechtskonvention ist die Grundlage. Sie sieht vor, dass Menschen mit Behinderung einen Anspruch auf gesellschaftliche Teilhabe haben. Deshalb schuf man in Deutschland die ergänzende unabhängige Teilhabeberatung. Die rechtliche Grundlage in ist der § 32 des Sozialgesetzbuch IX. 

Das Beratungsangebot wurde 2018 ins Leben gerufen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales finanziert diese Leistung, sie läuft allerdings aktuell nur vier Jahre. Danach erfolgt eine Neuausschreibung, die genauen Bedingungen sind noch nicht bekannt. Damit ist unklar, wie es mit dem Beratungsangebot langfristig weitergeht.

Die Besonderheiten des Beratungsangebotes

Peer-Counseling
Das Beratungsangebot orientiert sich an dem Kerngedanken „Betroffene beraten Betroffene“. Beim sogenannten „Peer Counseling“ haben Kunde und Berater die gleiche Ausgangsvoraussetzung als Menschen mit Behinderung. „Peer Counseling“ bedeutet „gleichgestellt“. So kann sich der Berater besser in die Situation des Kunden einfühlen.

Bundesweit einheitliches Angebot mit gemeinsamem barrierearmen Internet-Auftritt
Dieses Beratungsangebot gibt es bundesweit. Die Beratungsstellen sind gut vernetzt, und können sich so gut austauschen.
Die Beratungsstellen präsentieren sich einer gemeinsamen Internetseite. Die Seite ist leicht zu bedienen, sie verfügt über eine Vorlesefunktion und kann auf leichte Sprache eingestellt werden. So ist sie für die Zielgruppe leicht zugänglich.

Wenn man seine Postleitzahl eingibt, findet man die Angebote der verschiedenen Träger vor Ort und kann Kontakt aufnehmen.

Wie komme an die Beratungsangebote der EUTB?
An die Angebote komme ich alleine oder mit Hilfe. Zur Unterstützung kann man auf andere Personen aus seinem Umfeld oder der gesetzlichen Betreuung zurückgreifen.

Meine persönliche Erfahrung
Die EUTB aus Coburg hielt an meiner ehemaligen Schule einen Vortrag über Grundsicherung und weitere rechtliche Dinge. Dadurch bekam ich den Anstoß, mich weiter zu informieren.

Ich ließ mich mit meinen Eltern bei der EUTB des Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) in Bamberg beraten, da ich aus der Gegend komme. Nach dem ersten Gespräch gab es noch viele offene Fragen und wir vereinbarten noch ein 2. Beratungsgespräch. Mein Vater begleitete mich.

Dieses Mal ging es nur um das Thema „Assistenzwohnen“ für mich. Wir redeten über die zwei unterschiedlichen Modelle, das Arbeitgebermodell und das Modell mit ambulanten Pflegedienst. Zuerst ließ sich die Beraterin meine persönliche Situation schildern. Sie sprach mit uns über die Vor- und Nachteile der beiden Modelle und erklärte mir, was diese für meine persönliche Situation bedeuten.

Nach dem Gespräch war mir sofort klar, welches Modell ich mir für mich wünsche.
Ich weiß, wie lange mein Weg zum Arbeitgebermodell werden wird und dass dieser Weg ein schwerer ist.

Besonders im 2. Gespräch fühlte ich mich immer sehr ernst genommen. In vielen Gesprächen über solche Themen wird viel über einen gesprochen, aber selten mit einem. Das war in diesem Gespräch ausdrücklich nicht der Fall, ich fühlte mich immer als gleichberechtigter Partner. Auf meine Fragen wurde intensiv eingegangen und sehr gewissenhaft geantwortet. Nach diesem Gespräch fühlten wir uns sehr gut informiert.

Meine Meinung
Ich kann jedem Menschen mit Behinderung eine Beratung in der EUTB empfehlen. Da das Beratungsangebot unabhängig ist von Leistungsträgern, wird man dort nicht einseitig beraten.


Anlaufstellen Mittelfranken*
Beratungsangebot in Nürnberg:
Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung, eine Beratungsstelle der Stadtmission Nürnberg e.V.
Krellerstraße 3
Beratungszentrum Christine-Kreller-Haus, UG
90489 Nürnberg
Telefon: 0911 37654 261, 0911 37654 262
E-Mail: eutb@stadtmission-nuernberg.de
Webseite: https://teilhabe-nuernberg.de
Öffnungszeiten Montag bis Freitag:
individuelle Termine nach Vereinbarung (derzeit vorwiegend telefonisch)

Beratungsangebot in Erlangen:
Teilhabeberatung Mittelfranken Nordost – Erlangen
Friedrichstraße 28
91054 Erlangen
Tel: 0911 18073681
E-Mail: info@teilhabeberatung-mittelfranken.de
Webseite: http://www.teilhabeberatung-mittelfranken.de
Öffnungszeiten:
Dienstag: 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr
Donnerstag: 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr
Freitag: 10.00 Uhr bis 14.00 Uhr

Beratungsangebot in Fürth:
Teilhabeberatung Mittelfranken Nordost – Fürth
Schwabacher Straße 206
90763 Fürth
Telefon: 0911 18073680
E-Mail: info@teilhabeberatung-mittelfranken.de
Webseite: http://www.teilhabeberatung-mittelfranken.de
Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag, Donnertsag, Freitag: 10.00 Uhr -16.00 Uhr und nach Vereinbarung

* Ohne Anspruch auf Vollständigkeit

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